Werkbankbau in der Garage – Teil 2: Vorbereitung & erste Schnitte
Wie zu erwarten, folgt heute der zweite Teil der Serie, in dem wir nun endlich mit den ersten praktischen Schritten beim Bau der Werkbank in meiner Garage beginnen. Nachdem im ersten Beitrag die Planung, Konstruktion in CAD und das Material-Setup im Mittelpunkt standen, geht es jetzt an das greifbare Holz, die Werkzeuge und echte Arbeit. Es ist der Moment, an dem aus Ideen und Zeichnungen echte Bauteile werden, der erste Platz in der Garage geschaffen wird und ich mit dem Zuschnitt der Elemente beginne, die später einmal eine stabile, funktionale und maßgeschneiderte Werkbank ergeben sollen.

Freier Raum sorgt für Sicherheit, Übersicht und entspanntes Arbeiten.
Platz schaffen: Die Garage wird zur Werkstatt
Bevor die ersten Sägeblätter rotieren und die Balken ihre endgültige Form bekommen, stand ein genauso wichtiger Schritt auf dem Plan: Platz schaffen in der Garage. Der ursprüngliche Zustand war funktional und erfüllt, aber keineswegs optimal für ein Projekt dieser Größenordnung. Große Holzplatten und ausladende Balken brauchen Raum – nicht nur physisch, sondern auch mental, damit man nicht ständig über etwas stolpert oder umständlich ausweichen muss.
Also habe ich meine Garage systematisch neu organisiert: Werkzeugkisten habe ich nach Kategorien sortiert und an den Wänden untergebracht, niedrige Regale gegen höhere getauscht und alles, was nicht unmittelbar zum Projekt gehörte, temporär ausgelagert. Gerade beim Arbeiten mit langen Werkstücken oder sperrigen Platten ist freie Fläche Gold wert. Es geht nicht nur um Platz – es geht auch um Sichtachsen, Bewegungsfreiheit und dadurch um mehr Sicherheit und weniger Stress im Arbeitsalltag.
Mit jedem Zentimeter, den ich freigeräumt habe, wuchs auch die Vorfreude auf den eigentlichen Bau. Dieser Schritt mag auf den ersten Blick unspektakulär erscheinen, doch genau diese solide Vorbereitung bildet das Fundament für spätere präzise und saubere Arbeit, die ohne ausreichenden Raum schnell erschwert wird.

Ordnung und Struktur schaffen Platz und erleichtern den Baufortschritt.
Das Material ist da
Nach dem Freiräumen lag das zweite große Highlight in der Luft: die Ankunft des Holzes. Basierend auf meiner detaillierten Planung und den Maßen aus der Solid-Edge-Konstruktion habe ich daraus abgeleitet, welches Material ich brauche. Die entsprechende Materialliste habe ich dann im Vorfeld sorgfältig zusammengestellt und direkt beim Leinweber Baucentrum zur Abholung bestellt.
Am Donnerstag habe ich mir schließlich einen Auto-Anhänger geliehen, bin zum Baucentrum gefahren und konnte das komplette Holzmaterial (sowohl die KVH-Balken als auch die 20 mm starken Nadelsperrholzplatten) sicher verladen und nach Hause transportieren. Schon während des Beladens spürt man, dass aus einer skizzierten Idee jetzt wirklich ein handfestes Projekt wird. Dieses Gefühl, wenn die bestellten Materialien das erste Mal vor einem stehen, kann jede noch so lange Planung alleine nicht ersetzen.
Für den Bau habe ich folgende Holzkomponenten bestellt und nun zur Verfügung:
– 2 Balken KVH 100 × 100 × 2500 mm – für tragende Beine/Profile
– 8 Balken KVH 80 × 60 × 2500 mm – für Rahmen und Auflager
– 3 Nadelsperrholzplatten 1250 × 2500 × 20 mm – als massive Arbeitsfläche
Diese ausgewählten Materialien bieten nicht nur eine stabile Grundlage für das Grundgestell, sondern auch ausreichend Reserven, um flexibel auf kleine Planänderungen zu reagieren. Im Vergleich zu günstigen Platten oder vermeintlich kleineren Dimensionen werden diese Komponenten ihre Stabilität später vielfach auszahlen, auch bei schweren Maschinen auf der Werkbank.

Große Platten lassen sich mit Tauchsäge und Führungsschiene sicher und exakt zuschneiden.
Zuschneiden der Platten mit der Tauchsäge
Mit genügend Freiraum und vorbereitetem Material begann der erste technische Arbeitsschritt: das Zuschneiden der Nadelsperrholzplatten. Dieser Moment markiert den Übergang von reiner Vorbereitung zu sichtbarer Bauarbeit – und ist für mich ein besonders motivierender Augenblick, weil hier aus Plänen langsam echte Bauteile werden.
Zum Einsatz kam meine Makita Tauchsäge SP6000J – ergänzt durch gleich zwei Führungsschienen, die ich miteinander verbunden und je nach Schnittlänge flexibel genutzt habe. Dafür verwende ich eine 1,5 Meter-Schiene und eine 1 Meter-Schiene, die ich mit den passenden Verbindern verbunden habe. Dieses Set-Up erlaubt mir extrem flexible Schnitte über unterschiedlich lange Plattenprofile hinweg.
Besonders bei großformatigen Platten zahlt sich dieses modulare System aus, weil ich so je nach Einsatz die passende Schienenlänge nutzen kann – und beide Schienen zusammen eine durchgehende Führung bieten, ohne dass die Präzision darunter leidet. Sobald die Schiene korrekt sitzt, lässt sich die Tauchsäge quasi wie auf Schienen über das Holz führen, was die Schnittqualität und Wiederholgenauigkeit deutlich verbessert. Zusätzlich sind Zwingen, die in die Nut der Unterseite geschoben werden können und ein Verrutschen der Schienen sehr zu empfehlen.
In dieser Phase zeigt sich, wie wichtig saubere Grundlagenarbeit ist. Minimale Ungenauigkeiten könnten sich später nicht nur optisch, sondern auch funktional bemerkbar machen – etwa wenn mehrere Plattenabschnitte aneinanderstoßen oder Montageteile auf die Oberfläche treffen sollen. Auch aus dem Material selbst lernt man bei jedem Schnitt etwas: wie sich die Maserung verhält, wie die Schnittkante reagiert und wie man am besten mit dem Werkzeug umgeht. Deshalb nehme ich mir hier bewusst Zeit und arbeite ruhig und konzentriert, denn genau hier entscheidet sich später, wie sauber und passgenau die Werkbank final wird.

Ein stabiler Arbeitsplatz erleichtert präzise Schnitte und sauberes Arbeiten.
Platten ausrichten und verspannen
Nach dem Zuschnitt zeigte sich eine typische Eigenschaft von Holz: Nicht alle Platten waren von sich aus vollkommen plan oder gerade. Gerade bei großformatigem Sperrholz ist das keine Seltenheit, doch sie sollte unbedingt berücksichtigt werden, bevor weitere Bauteile verbunden werden. Die leichte Wölbung einzelner Platten hätte später zu spürbaren Höhenunterschieden auf der Arbeitsfläche geführt, was am Ende die Funktionalität der Werkbank erheblich beeinträchtigt hätte.
Mit geraden Balken als Referenz und mehreren Zwingen habe ich die zugeschnittenen Platten gezielt gegeneinander verspannt und unter kontrolliertem Druck ausgerichtet. Dadurch konnten leichte Verzüge ausgeglichen werden und eine deutlich planere Fläche geschaffen werden, bevor weitere Arbeitsschritte folgen. Je nachdem, wie stark einzelne Platten verzogen waren, musste ich die Zwingen mehrmals neu positionieren, um die beste Ebenheit zu erreichen. Das erfordert zwar Geduld, spart aber später erheblich Zeit bei der Montage und bei den finalen Anpassungen.
Eine plan ausgerichtete Fläche ist nicht nur optisch angenehmer, sondern auch funktional entscheidend, insbesondere wenn später Maschinen oder andere feste Elemente auf der Werkbank montiert werden sollen. Zudem erleichtert eine gleichmäßige Basis das präzise Anzeichnen, Bohren und Verbinden der nächsten Bauteile. Durch diesen Schritt wird also nicht nur die Stabilität erhöht, sondern auch der gesamte weitere Bauprozess erheblich vereinfacht.
Nachdem ich die zugeschnittenen Platten sorgfältig ausgerichtet und miteinander verspannte, entstand dadurch mehr als nur ein ebenes Holzpaket: eine erste provisorische Werkbank. Diese Zwischenlösung erlaubt es mir bereits jetzt, erste Arbeiten durchzuführen, und das, obwohl die finale Konstruktion noch im Bau ist. Diese vorläufige Fläche zeigt eindrucksvoll, wie schnell aus einzelnen Komponenten eine funktionale Arbeitsfläche entsteht, und motiviert zusätzlich für die nächsten Schritte. Gleichzeitig gibt sie mir erste praktische Hinweise darauf, welche Höhen, Anschlagspositionen oder Ablagen später besonders sinnvoll integriert werden können.

Exakte Aussparungen sind die Basis für stabile Holzverbindungen beim Werkbankbau.
Die ersten Balken: Zuschnitt und Aussparungen
Der spannendste Moment dieses Bauabschnitts war für mich der Augenblick, in dem die ersten Balken bearbeitet wurden. Bis hierhin war vieles theoretisch, jetzt wird es konkret, handfest und sehr sichtbar, denn aus rohen Holzprofilen werden erste tragende Elemente der Werkbank. Es ist ein Moment, der einen spüren lässt, wie aus einer Idee ein echtes Projekt wird.
Zum Einsatz kam meine Metabo Kappzugsäge KGS 254 M, die sich besonders bei präzisen Winkelschnitten und wiederholgenauen Schnitten bewährt hat. Zunächst habe ich die Balken exakt auf Maß gebracht und ihre Enden sorgfältig ausgerichtet. Die ruhige, gleichmäßige Arbeitsweise der Säge macht es möglich, auch dickere Profile millimetergenau zu bearbeiten, was später beim Zusammenbau der Konstruktion enorm wichtig ist.
Anschließend folgten die ersten Aussparungen, die später entscheidend für die stabile Verbindung der Balken untereinander sein werden. Jeder dieser Ausschnitte muss sitzen, denn hier greifen später mehrere Bauteile ineinander und übertragen Kräfte zuverlässig über die Verbindungen. Dabei musste ich mehrfach gegenprüfen, ob die Schnitte exakt zu meinen CAD-Plänen passen, denn jede Abweichung hätte sich später summiert. Die Arbeit fordert daher sowohl Präzision als auch Konzentration, doch das Ergebnis zahlt sich aus: Die ersten Elemente fügen sich sauber und formschlüssig zusammen.
Bauanleitung in der Praxis: Lernen und verbessern
Während der Arbeit wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig der Abgleich zwischen Planung und Realität ist. Trotz sorgfältiger Vorbereitung und durchdachter Skizzen zeigten sich in der Praxis kleine Punkte, die verbessert werden konnten – ein völlig normaler und wertvoller Prozess bei individuellen Projekten.
So waren zwar alle Zwischenmaße korrekt bemaßt, jedoch fehlten teilweise eindeutige Bezugspunkte zum Balkenende. Das führte dazu, dass ich mehrfach neu rechnen musste, um den Abstand richtig anzulegen – ein unnötiger Zeitfaktor, der sich leicht vermeiden lässt. Durch gezielte Anpassungen in den Zeichnungen konnte ich dieses Problem schnell beheben und damit auch den weiteren Bauablauf entspannter gestalten.
Diese Optimierungen machen den weiteren Bau nicht nur effizienter, sondern auch für spätere Wiederholungen oder ähnliche Projekte nutzbarer. Genau hier zeigt sich der Vorteil eigener Planung: Sie wächst mit dem Projekt und wird mit jedem Schritt besser.
Fazit zu Teil 2
Mit dem Schaffen von Platz, der Materialvorbereitung und den ersten präzisen Zuschnitten ist ein entscheidender Meilenstein erreicht. Auch wenn die Werkbank noch nicht steht, sind die technischen, planerischen und organisatorischen Grundlagen jetzt sauber gelegt und bereit für den nächsten Bauabschnitt.
Im kommenden Teil geht es weiter mit dem eigentlichen Aufbau der Konstruktion. Ab jetzt wird das Projekt sichtbar dreidimensional – und die Werkbank nimmt Schritt für Schritt ihre endgültige Form an. Jeder weitere Baustein bringt uns diesem Ziel näher.




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