Vibe Coding ohne Systemdesign ist eine Falle
AI-unterstütztes Programmieren vereinfacht die Produktentwicklung, geht jedoch oft auf Kosten der langfristigen Designnachhaltigkeit. Der Autor Ben Yoskovitz argumentiert, dass die Verwendung von KI-Tools zwar die Barrieren für die Erstellung von Software senkt, jedoch auch die Gefahr birgt, dass wichtige Designüberlegungen vernachlässigt werden.
Die Herausforderung des Vibe Codings
Das Konzept des Vibe Codings beschreibt eine schnelle, oft improvisierte Art des Programmierens, bei der Entwickler KI-Tools nutzen, um schnell funktionale Prototypen zu erstellen. Diese Methode kann zwar zu schnellen Ergebnissen führen, aber sie birgt auch Risiken. Die Gefahr besteht darin, dass Entwickler dazu neigen, kurzfristige Lösungen zu bevorzugen, ohne die langfristigen Auswirkungen ihrer Entscheidungen zu berücksichtigen.
AI optimiert für “funktional”, nicht für “entwickelbar”
Wenn man KI anweist, ein Feature zu erstellen, optimiert sie in der Regel nur dafür, dass es sofort funktioniert. Dies führt oft zu:
- Hardcodierten Werten anstelle von Abstraktionen
- Kurzschlüssen, die die kognitive Belastung im Moment reduzieren
- Der Ignorierung zukünftiger Änderungen, da diese nicht explizit angefordert wurden
Ein Beispiel aus der Praxis: Bei der Entwicklung eines Applicant Tracking Systems (ATS) mit Lovable stellte der Autor fest, dass die KI die Konfigurationswerte direkt in die Logik hardcodierte, was die Flexibilität des Systems einschränkte.
Die Folgen: Funktionale, aber chaotische Produkte
Das Ergebnis sind Produkte, die zwar funktional und schnell zu erstellen sind, jedoch:
- Schwer zu testen sind
- Fragil gegenüber Änderungen sind
- Teuer in der Weiterentwicklung werden
Die Herausforderung besteht darin, zwischen endloser Iteration und dem Aufbau einer kohärenten Struktur zu unterscheiden. Vibe Coding optimiert für Geschwindigkeit, nicht für tragfähige Strukturen.
Systemdenken ist unerlässlich
Vibe Coding eliminiert nicht das Systemdesign, sondern schiebt es in den Hintergrund. Wenn Entwickler nicht über die Struktur nachdenken, implementieren sie sie dennoch, jedoch oft zufällig, was gefährlich sein kann. Systemdesign ist entscheidend für die langfristige Flexibilität eines Produkts.
Fünf Fragen für Vibe Coding
Bevor man KI anweist, etwas zu bauen, sollte man sich folgende fünf Fragen stellen:
- Was wird sich wahrscheinlich später ändern?
- Sollte dies einmal oder überall existieren?
- Was ist die Quelle der Wahrheit?
- Was bricht, wenn ich dies ändere?
- Wie würde ich das testen?
Diese Fragen helfen dabei, Vibe Coding von zufälliger Bewegung in gezielten Fortschritt zu verwandeln.
Die Rolle von PRDs
Ein Produktanforderungsdokument (PRD) kann hilfreich sein, um die Struktur und die Annahmen hinter einem Produkt zu klären. Während es wichtig ist, eine klare Vorstellung von den Anforderungen zu haben, kann die Verwendung von KI-Tools auch dazu führen, dass Entwickler schnell Ergebnisse erzielen, was manchmal die Notwendigkeit eines umfassenden PRDs in den Hintergrund drängt.
Fehlerbehandlung und Randfälle
Vibe Coding neigt dazu, Randfälle und Fehlerbehandlung zu vernachlässigen. Diese Aspekte sind jedoch entscheidend, um ein zuverlässiges Produkt zu schaffen. Die Berücksichtigung von Randfällen hilft, ein Produkt zu entwickeln, das auch unter unerwarteten Bedingungen funktioniert.
Progressives Bauen und die Gefahr schlechter Architektur
Die meisten Produkte werden schrittweise entwickelt. Bei jedem neuen Feature, das hinzugefügt wird, steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass etwas bricht, insbesondere wenn das zugrunde liegende Systemdesign nicht durchdacht ist. Daher ist es wichtig, vor dem Hinzufügen neuer Funktionen über die Systemarchitektur nachzudenken.
Fazit: Vibe Coding mit Bedacht nutzen
AI macht es einfacher denn je, mit dem Programmieren zu beginnen, aber es erleichtert nicht unbedingt das Erstellen von qualitativ hochwertigen Produkten. Entwickler müssen ein solides Verständnis von Systemarchitektur haben, um die Vorteile der KI effektiv zu nutzen, ohne die Qualität des Endprodukts zu gefährden.
Quellenliste:
- Quelle: Vibe Coding without System Design is a Trap
- Produktanforderungsdokumente
- Nichts falsch mit MVPs










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